Common Ground

Common Ground

Eventdauer: 22.07.2015 - 15.08.2015


von Silvia Converso, Michele D’Ariano Simionato und Caterina Steiner, Guest Artist: Bureau A

Wie eine Insel, umgeben vom schnell wachsenden Zürich-West, ist die Pfingstweid, ein Überbleibsel der ehmaligen Allmend im Westen Zürichs. Ohne bestimmte Funktion und definiertes Programm eignet sich dieser Ort perfekt dazu, um die Frage nach der Identität dieses Raums anhand der Kunst zu stellen. Drei Installationen, eine Ausstellung und eine Abschlussveranstaltung finden im artcontainer und im anliegenden Garten statt. Willkommen bei Common Ground. Willkommen am Ort, wo Neu und Alt, Lokal und Fremd, Angst und Hoffnung temporär und harmonisch nebeneinander bestehen.

22-26.7.15 – Installationen, Workshop
Fontaine 2017
XY
ARCI Pentecoste

28.7.15 bis 15.8.15 Ausstellung
jede Woche Mittwoch bis Samstag, 12 – 18 Uhr

15.8.15, 5pm – Ferragosto
Abschlussveranstaltung mit Grill, Wassermelonen und Bier! Geniesst mit uns das traditionelle italienische Midsommer Fest – eine gute Möglichkeit, deine Nachbaren kennenzulernen!

Die Pfingstweid, für mehrere Jahrzehnte nur ein Schrebergarten in der Peripherie von Zürich, wirkt heute wie eine Insel, die vom aufstrebenden, urbanen Zürich West umfasst wird. In seiner aktuellen Form existiert der Stadtteil Zürich-West erst seit wenigen Jahren – und noch immer ist er auf der Suche nach seiner Identität. Trotz hochwertiger Architektur- und Freiraumgestaltung mangelt es an einem Ort im Zentrum, wo die Anwohner ihre Freizeit verbringen können. Durch die Installationen und Veranstaltungen von Common Ground wird aus diesem Provisorium ein lebendiger und dynamischer Ort.

Bureau A – FONTAINE 2017
Fountain
“Die Anschaffung von wertvollem und grossflächigem Besitz macht eine Zivilregierung notwendig. Wo kein Eigentum ist oder zumindest keines, das den Wert einer zwei- bis dreitätigen Arbeit übersteigen würde, dort braucht es auch keine zivile Regierungsbehörde. Eine Zivilregierung geht vom Prinzip der Unterordnung aus. Die Notwendigkeit einer Zivilregierung nimmt in dem Masse zu, wie die Aneignung von wertvollem Besitz zunimmt; die Hauptursache für das Prinzip der Unterordnung wirkt also umso kräftiger, je stärker die Aneignung von Eigentum zunimmt. (…)“ Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, Buch 5, Kapitel 1, Teil 2.
Europa ist in Bewegung. In rasanter Bewegung. Wir dachten, wir wären eine Gemeinschaft, doch diese entpuppte sich sehr schnell als Konkurrenzraum, in dem finanzielle Hierarchien dominieren. Diese “Gemeinschaft” folgt aggressiven finanziellen Trends, welche im Gegensatz zur Idee einer kulturellen Nachbarschaft stehen, bei der kulturelle und ethnische Werte geteilt werden. Das Bombardement der Länder mit komplexen finanziellen Finanzinstrumenten wie Hedge Funds und dergleichen resultierte in Hierarchiedenken und in einem tiefen Gefühl des Misstrauens in die Zivilgemeinschaft. Durch eine grosse Anzahl von anonymen Spendern internationaler Bürger mögen die Schulden Griechenlands durch Crowd-founding finanziert werden; letztlich versucht diese Initiative sich mit dem auseinanderzusetzen, an dem die Regierung scheiterte: an den Menschen.

Der öffentliche Raum erlangt bei dieser Arbeit wieder den Status eines Forums, welcher die wachsende nicht-konforme Masse zu einigen versucht. Sie möchte den Unmut ausdrücken, welcher aufgestiegen ist bezüglich eines vorbestimmten und kontrollierten Schicksals. Der öffentliche Raum muss öffentlich bleiben. Offen für Debatten und für kreative Vorschläge, sowohl in sozialer, politischer, wie auch in kultureller Hinsicht.
Der Brunnen der Jugend, Symbol der Geburt und der Schönheit, kann nicht mehr mit klarem und durchsichtigen Wasser gefüllt werden. Die Flüssigkeit ist verschmutzt, gefüllt mit dem Dreck von Europas jüngster Geschichte, bei der wohlhabende Länder den weniger wohlhabenden ihr Schicksal diktieren.

“Fontaine 2017″ ist eine Art kulturelles Geschenk von einem der weniger reichen Länder an ein Land, das zu den reichsten in der europäischen Gemeinschaft gehört. In Form eines noblen Brunnens, eines klassischen Elements der westlichen Kultur, schickt Lissabon einen Gruss an das reiche Zürich. Damit möchte es einen offen Raum schaffen, wo sich Menschen treffen können, Liebe machen können, gegen was auch immer rebellieren können, spielen, trinken und essen können. Alles soll möglich sein im öffentlichen Raum. Als eine kleine Provokation und um eine andere, fast 100 Jahre alte Fontaine zu würdigen (Duchamp’s “R. Mutt”), schicken wir Marmor aus Lissabon nach Zürich, damit wir alle darauf pinkeln können.

XY
XY
„Ein Ehemaliger Parkplatz.
Ein Filter für den neu entstanden Park.
Ein Nicht-Raum.
Es ist im Augenblick eine provisorische Situation.
Die Arbeit ist ein neues Muster, das auf den existierenden Kennzeichnungen der bestehenden Parkplätze basiert und systemisch ein neugemaltes Provisorium schafft, das in der urbanen Leere wieder menschliche Spuren einführt.
Strukturen von Pfosten und Sonnensegeln beeinflussen die Raumwahrnehmung und kreieren einen kleinen „offenen Raum“, der die Passanten einlädt, stehen zu bleiben und deren frischen Schatten zu geniessen.
“Ein mediterraner gemeinschaftlicher Raum.“
In dieser Kombination der radikalen Architektur der 70er-Jahre und des nomadischen Camps wird ein einfaches geometrisches Netz zu einer Überstruktur, die unterschiedliche Aktivitäten beherbergen kann. Während die organischen Sonnensegel Unterstand und Intimität bieten, wird die glatte Asphaltfläche in eine Piazza verwandelt, wo man Leute trifft oder einfach in Ruhe lesen kann.



ARCI Pentecoste
ARCI
In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Italien einen unkontrollierten Bauboom in den Städten.
Diese neu entstandene, öde Peripherie diente als Setting für viele neorealistische Spielfilme wie De Sica’s ‘Ladri di Biciclette’ oder Pasolini’s ‘Accattone’.
Es gab bis auf die Bars keine Infrastruktur wie Shops oder Kirchen, so dass diese zum einzigen Treffpunkt für die Einwohner und zum Herzen der Gemeinschaft wurden.
Beim Provisorium Pfingstweid kann man das Potential noch nicht sehen, weil es immer noch neu und noch nicht fertiggestellt ist. Eine Lösung für dieses Problem könnte eine Arbeit sein, die sich auf einen Teil davon bezieht, welche als Katalysator für den Rest dienen kann.
ARCI Pentecoste ist gleichermassen eine Bar, ein soziales Zentrum und eine Ausstellung, welche die Rolle des öffentlichen Raumes reflektiert. Durch ihre Präsenz verändert sie für einen Monat die Wahrnehmung der Umgebung; und sie schliesst ab mit “Ferragosto”, einem traditionellen italienisches Sommerfest.


common ground – complete documentation:

Common_Ground_documentation

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Bureau A
Founded in 2012, BUREAU A is the association of Leopold Banchini and Daniel Zamarbide. Architects by training BUREAU A is a multidisciplinary platform aiming to blur the boundaries of research and project making on architectural related subjects, whichever their nature and status.
BUREAU A is profoundly rooted in architectural culture and history, understood as a vast field of exploration related to construction and installation of environments for specific purposes. The bureau expands its activities to a large diversity of programs ranging from architecture and landscape design to scenography, installations, or self-constructed initiatives. It has developed a specific interest in public spaces and political issues; how design and architecture can possibly confront them is at the heart of the interrogations cultivated by the bureau.