NO EXIT

The man with no face

Eventdauer: 23.09.2015 - 16.10.2015


von Anna Fech

NO EXIT spielt mit der Idee des Containers als Behältnis und Gefäss sowohl konkret als auch metaphorisch. Nach dem Eintreten der Besucher werden die Türen des Containers geschlossen, sodass eine intensive Konfrontation zwischen Werk und Betrachter unumgänglich wird. Innerhalb des geschlossenen Raumes präsentieren drei Künstler nacheinander Arbeiten, die vom Gedanken des Körpers als Hülle innerer menschlicher Prozesse ausgehen. Sie thematisieren Gewalt und Körperlichkeit, Systeme der Subjektivität und deren Instabilität.

NO EXIT bedient sich der Begrifflichkeit des „Containers“ im psychoanalytischen Sinne. Im Jahre 1957 wurde dieser Begriff in die Psychologie von W.R. Bion eingeführt und beschreibt damit die Funktion des Therapeuten als „Container“, der mittels seiner offenen Haltung gegenüber dem Patienten, diesem hilft heftige Gefühle und Affekte wahrzunehmen und als Teil ihrer selbst zu akzeptieren. Bei NO EXIT bleibt die Frage unbeantwortet: wer ist hier Therapeut, wer Patient? Soll der Besucher kuriert werden oder nutzen die Künstler den Eintretenden als Therapeut? Ist vielleicht der Container einfach wirklich „Container“, der sich zur Verfügung stellt traumatische Erlebnisse wertlos in sich aufzunehmen?
Und gibt es vielleicht doch einen Ausweg?

Flavio Cury’s Videoarbeit Videoarbeit “The Man with no Face” basiert auf dem Roman “The Land at the End of the world” (“Os Cús de Judas”) des portugiesischen Schriftstellers António Lobo Antunes. Die Szene eines sich mit schwarzer Flüssigkeit waschenden Mannes wird begleitet von einer Stimme, die von traumatischen Kriegserlebnissen eines jungen Soldaten berichtet. (Veranstaltung am 23.09. ab 18:00,Video „The Man with no Face“)

In ihrer Videoinstallation “Bird Catcher” konfrontiert Gaisha Madanova die Besucher mit einer Situation, die ihr selbst tatsächlich passiert ist. In einer Unterführung sah sie ein kleines Stoffsäckchen an der Wand hängen, das sich nervös bewegte und aus dem ein zwitschern ertönte. Traditionsgemäss werden die Vögel auf Märkten in Usbekistan in kleinen Stoffsäckchen angeboten. Die Künstlerin empfand dies als ein passendes Symbolbild, um das menschliche Gefühl der unruhigen Besorgnis, Befürchtung, Angst und der wortwörtlichen Befangenheit zu beschreiben. Selten vermag man diese zu bezwingen und spürt sie immer in sich wie einen gefangenen, zwitschernden Vogel.
03.10. ab 18:00 : GAISHA MADANOVA Videoinstallation „Bird Catcher“ (einziger Vorführungsabend!)

Die mexikanische Künstlerin Paloma Ayala zeigt in Zusammenarbeit mit Sandra Leal eine Fortsetzung ihres Projekts Shame and Generational Disorder mit dem Titel “Faking a State of Emergency”. Ihre Installation aus persönlichen Geschichten und Zeichnungen als auch Protestbannern und Ausschnitten aus Zeitungsberichten, versteht sie als direkten Ausdruck der emotionalen Landschaft auf sozialer, politischer und kultureller Ebene auf die gewaltsamen Ereignisse im Nordosten Mexikos. Die Arbeit geht auf die gesellschaftlichen und individuellen Erlebnisse der Menschen ein, die an der mexikanischen und amerikanischen Grenze leben. Die Künstlerin befragt den politischen Raum, den Einfluss des Persönlichen auf das Politische und die Glaubwürdigkeit von Medienberichten. (07.10 18:00 – 20:00 : PALOMA AYALA in Zusammenarbeit mit Sandra Leal: Installation „Faking a State of Emergency“,permanente Installation bis 16. Oktober)

Flavio Cury

Gaisha Madanova

Paloma Ayala