Lebenszeit

IMG_5166

Eventdauer: 12.09.2019 - 14.09.2019


Ursula Wolf

Der Versuch Menschen zu klonen scheitert. Die Vergänglichkeit bestimmt unser Leben.

Die Installation zeigt eine Reihe lebensgrosser Köpfe in Reih und Glied, auf gleicher Höhe und in eine Richtung angeordnet. Alle sind aus demselben Material hergestellt und aus derselben dreidimensionalen Form entsprungen. Beim genauen Hinsehen zeigen sich Unterschiede, ja Veränderungen wie bei Menschen durch Narrativen, Entwicklung, Einzigartigkeit und letztendlich Alterung. Bewegungen, Schwankungen – wie im Leben – sind ebenfalls feststellbar.

Die Vergänglichkeit wird durch das verwendete Material Latex-Milch ausgedrückt. Es entsteht eine menschenähnliche Haut die anfänglich sehr dehnbar, jedoch schnell altert, schlaff und runzlig wird. Der Versuch immer gleiche Kopfformen und Häute ab derselben Form zu „klonen“ scheiterte. Zu lebendig, widerspenstig war das Latex-Milch und liess sich in keiner Art und Weise bändigen!

Die Eigenschaften und das Verhalten der Latexmilch hat Ursula Wolf über verschiedenste Experimente erkundet. Fasziniert von der Vielseitigkeit des Materials Latexmilch deckte sie mit verschiedenen Techniken – spannen, wickeln, abnehmen von Formen und Strukturen decken – ein breites Spektrum der Möglichkeiten ab, um mit diesem Material spielerisch zu arbeiten. Ihre erste Herangehensweise ist haptischer Natur. Das Material ist Inspirationsquelle und für das konzeptuelle Entwickeln ihrer Arbeit bedeutsam. Latexmilch verändert ihre Eigenschaften von elastisch zu spröde, von transparent zu trüb oder von klebrig zu trocken – bis zum Verfall. Verbindungen mit anderen Materialien erweitern das Machbare. Assoziationen zur menschlichen Haut sind klar erkennbar. Die Farbe spielt dabei eine wichtige Rolle: Anfänglich weiss, nimmt sie zunehmend einen bernsteinfarbenen Ton an. Je nach Auftragung oder Alterung erscheint sie heller oder dunkler. Die Vergänglichkeit wird in einer schnellen Abfolge von Veränderungen des Materials ersichtlich.

Seit der Frühgeschichte beschäftigt sich der Mensch mit seiner Vergänglichkeit, dem Wunsch, ewig zu leben. Sich ein Ebenbild zu schaffen, um in ihm weiterleben zu können. Stellt sich die Frage, was unser innerster Antrieb ist, was uns so einzigartig macht, um dies zu rechtfertigen. Worin liegt das Scheitern und wie weit haben es Wissenschaft und die Menschheit gebracht.
Das Äussere macht uns visuell zu Menschen. Im Aussehen unterscheiden wir uns voneinander. Wir können Gruppen, Rassen zugeordnet werden, doch ohne das Leben sind wir eine leere Hülle. Sind wir in der Lage den Menschen zu klonen, wird es nur eine Hülle desjenigen sein der geklont wurde, da erst das Leben die Vergänglichkeit dem Menschen die Identität gibt. Hier stellt sich die Frage wie weit das Klonen in unserer Gesellschaft fortgeschritten ist. Wie einzigartig sind wir noch? Sind es unserer Geschichten, die uns – trotz allem – zu einem Individuum machen? Die Vorstellung, ewig zu leben, wirft viele Fragen auf.

Die Köpfe haben, obwohl geklont, ihre Einzigartigkeit durch das Material (Leben) wiedergewonnen. Das widerspenstige Material Latex trotzt dem Versuch, sie zu klonen. Wir sind einzigartig und wollen unser Leben bestimmen; aber ein Teil von uns bestimmt das Leben. Wieviel? Wir schauen in die gleiche Richtung der Vergänglichkeit entgegen und trotz unserer Einzigartigkeit sind wir als Mensch gleich. Diese Schnittstelle unserer eigenen Bestimmung und der Vorgegeben interessiert sich die Künstlerin.Sie lebt und arbeitet in Schaan, Liechtenstein.

Ursula Wolf